Pilze – Geschichte als Nahrung und Medizin

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Pilze – Geschichte als Nahrung und Medizin

 

Pilze gehören sicher zu den seit langer Zeit genutzten Nahrung von Mensch und Tier. Schon zu Zeiten der Jäger und Sammler wurden Pilze, besonders zu Zeiten geringen Nahrungsangebotes genutzt. Waren die Männer in der Jagd nicht erfolgreich, was sehr oft vorkam, so waren die Frauen trotzdem gezwungen, Topf und Magen zu füllen. Genutzt wurde das, was das Lebensumfeld hergab.

Kenntnisse über die Giftigkeit der Pilze und Pflanzen waren lebensnotwendig, oft wurde im try-and-error-Verfahren getestet, was bekömmlich war. Man probierte kleine Mengen der Nahrung und achtete auf die Reaktionen von Körper und Geist. Wurde nichts gefährliches festgestellt, so steigerte man die Aufnahmemenge und stellte irgendwann fest: kann man essen. Oder auch das Gegenteil.

Als man den ,,Mann im Eis“, Ötzi die Gletschermumie fand, war er schon seit ca. 5.300 Jahren Tod. Zu seinen Reisebegleitern, besser gesagt, zu seiner Reiseapotheke, gehörtem schon damals in der ausgehenden Jungsteinzeit, zwei Birkenporlinge, die ihm so wichtig waren, dass er sie über viele Kilometer durch die Alpen schleppte. Man nimmt an, dass es sein zeitgemäßes Antibiotikum war-

In der Antike wurden die Kenntnisse über essbare und giftige Pilze vertieft. Trotzdem kam es zu Pilzvergiftungen – der griechische Dichter Euripides beschreibt im 5. Jhdt. v. Chr. das Drama um eine Familie, bei dem die Frau, zwei Söhne und eine Tochter an einer Pilzvergiftung starben.

Auch Kaiser Tiberius Claudius, ein leidenschaftlicher Genießer von Pilzen, starb an einer Pilzvergiftung. In diesem Falle wurde jedoch durch Agrippina, seine Frau, der Pilztod bewusst eingefädelt, um ihren Sohn, den späteren Kaiser Nero zum Thron zu verhelfen. Weitere Fälle bewusster oder zufälliger Vergiftung mit Pilzen sind aus der Literatur bekannt.

Pilze gehörten aber auch zur Ernährung, sie hatten ein hohes Ansehen in der Ernährung der reichen Römer, wie schon Marcus Valerius Martial, ein bedeutender Dichter des 1. Jhdt. bestätigte, denn er schrieb:

„Argentum atque aurum facile est lenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est (Gold und Silber, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber auf Pilze zu verzichten.)

In diesem Falle beschrieb der lateinische Begriff eigentlich nicht alle Pilze, sondern genau den Kaiserling bzw. Orangegelber Wulstling (Amanita caesarea), wahrscheinlich leitet sich sein Name auch aus dieser Vorliebe der römischen Kaiser zu diesem Pilz her.

Die Zubereitung und der Verzehr der Pilze war fast zeremoniell – spezielle Silbergefäße, sog. ,,boletaria“ dienten der Aufnahme der Speise, die Zubereitung fand mit kostbarem Silber- und Goldgeschirr unter Zuhilfenahme von teuerstem Bernsteinbesteck statt.

Gaius Plinius Secundus, auch bekannt als Plinus der Ältere, beschreibt in seiner ,,Historia mundi naturalis“ die Heilwirkung von Pilzen. Besonders großen Raum nimmt dabei ein Pilz ein, den er als ,,Agaricum“ bezeichnet, bei dem es sich wahrscheinlich um den Lärchenporling (Laricifomes officinalis), der auch heute noch intensivst medizinisch genutzt wird. In der Antike beschäftigten sich auch Dioskurides, Galenos und Scribonius Largus mit Pilzen und deren Heilwirkung.

Auch Hildegard von Bingen hatte zu Pilzen ihre Meinung. Pilze, die auf Bäumen wuchsen waren für sie hilfreich, Pilze, die auf der Erde wachsen, waren bedenklich. Sie schrieb:

,,Die Pilze, die über der Erde entstehen, welcher Art sie auch seien, sind wie Schaum und Erdschweiß, und dem Menschen, der sie isst, schaden sie etwas, weil sie Schleim und Schaum in ihm verursachen.

Jedoch die Pilze die in trockener Luft und in trockener Erde entstehen, sind mehr kalt als warm und sie sind etwas besser als jene, die in feuchter Luft und feuchter Erde entstehen, aber für die Heilkunde wird in ihnen nicht viel gefunden.

Und die Pilze, die in feuchter Luft und feuchter Erde entstehen, sind weder vollkommen warm noch vollkommen kalt, sondern lau, und wenn der Mensch sie isst, wecken sie einen üblen Saft in ihm auf; und ein Heilmittel in ihnen ist nicht viel wert.

Die Pilze aber, die auf gewissen Bäumen, stehenden oder liegenden, entstehen, sind einigermassen gut zur Speise des Menschen wie gewisse Gartenkräutlein und den, der sie isst, schädigen sie weniger und bisweilen taugen sie sogar zu Heilmitteln. Der Pilz, der am Nussbaum wächst, hat weder rechte Wärme noch rechte Kälte, sondern Trägheit in sich, aber zum Essen taugt er nicht, weil er in ihm Gicht erregt.

Aber wenn in einem Menschen ein Wurm entsteht, nimm, bevor jener Wurm lebt, Schwamm, der am Nussbaum wächst, sofern er frisch ist, nämlich frisch vom Baum genommen, und halte ihn über kochendes Wasser, damit er davon warm und feucht wird, und lege ihn so warm und feucht auf jene Schwellung, und jene Schwellung, wo die Würmer schon zu wachsen beginnen, wird verschwinden.

Wenn aber jener Wurm wächst, so dass er lebt, trockne jenen Schwamm im warmen Ofen ohne Kohlen und mache ihn so zu Pulver und jenes Pulver lege oft auf das Geschwür, und jene Würmer werden sterben.

Der Pilz aber, der an der Buche entsteht, ist warm und er ist für den kranken und den gesunden Menschen in der Speise gut zu essen. Und ein Mensch, der einen abgekühlten oder schlammigen Magen hat, der nehme den Pilz von der Buche, wenn er frisch ist, und er koche ihn in Wasser mit guten Kräutlein unter Beigabe von etwas Fett und dann esse er davon oft etwas nach dem Essen, und es wärmt seinen Magen und nimmt den Schleim von ihm weg.

Aber auch wenn eine schwangere Frau ermüdet wird, so dass sie träge und schwer und gedrückt ist im Körper durch die Schwere der Geburt, dann nehme sie den Pilz von der Buche und koche ihn so stark in Wasser, dass er ganz zerfällt, und dann siebe sie das durch ein Tuch und dann mache sie aus jenem Saft unter Beigabe von genügend Fett Suppen und sie esse zweimal oder einmal am Tag davon, nachdem sie gegessen hat, und sie wird vom Schmerz ihrer Geburt leichter gelöst werden.

Der Pilz, der am Holder wächst, ist kalt und taugt dem Menschen nicht zum Essen, so dass, wenn jemand davon äße, er geschwächt würde. Auch für die Heilkunde taugt er nicht viel.

Der Pilz, der an der Weide entsteht, ist warm und gut zu essen. Wer aber an der Lunge Schmerzen hat und daher in der Brust dämpfig ist, der koche den Pilz in Wein und füge etwas Kümmel und etwas Fett bei und so schlürfe er diese Suppe und auch den Pilz esse er so. Aber auch derselbe Pilz, so gegessen, mildert den Schmerz der Lunge und den Schmerz der Milz, weil das Herz bisweilen davon schmerzt, dass Magen und Lunge und Milz durch üble Säfte es schwächt.

Aber wenn du einen Abführtrank nehmen willst, dann nimm den Pilz von der Weide, wenn er frisch ist, und trockne ihn an der Sonne oder im warmen Ofen und so pulverisiere ihn und dann, wenn du den Trank nehmen willst, nimm Stechapfel und gib ihm vom Pulver dieses Pilzes im Gewicht einer Münze bei und von der Springwurzmlich im Gewicht der kleinsten Münze und mische das gleichzeitig und so nimm jenen Trank nüchtern wie einen anderen Trank, den die Menschen zu nehmen pflegen, und er wird dich abführen machen. Denn das Pulver dieses Pilzes mäßigt den Stechapfel und die Springwurz und es durchstöbert die üblen Säfte im Menschen wie gute Spezereien.

Und wenn jemand das Weiße im Auge hat, dann trockne er den Pilz der Weide an der Sonne und nachher, so oft er das Weiße der Augen heilen will, lege er ihn für eine kurze Stunde in Wasser und dann soll er das Wasser, das der Pilz eingesogen hat, auspressen, und dann streiche er vom Saft, den er in sich hat, mit einer Feder über die Lieder, so dass er das Augeninnere etwas berührt, und das tue er fünf oder drei Nächte, wenn er schlafen geht, und er wird geheilt werden.

Der Pilz, der am Birnbaum entsteht, ist kalt und feucht und dem Menschen schadet er beim Essen nicht und nützt ihm nicht. Aber ein Mensch, dem der Kopf grindig ist, der nehme den Pilz vom Birnbaum, wenn er frisch ist, und seinen Saft drücke er in Baumöl aus, und nachdem der Pilz weggeworfen wurde, salbe er fot seinen Kopf mit diesem Baumöl, und er wird geheilt werden.

Und wer krätzige Nägel hat, der nehme vom Pilz des Birnbaums in der Breite seines Nagels, wo der Grind ist, und er tauche das in Rindergalle, aber nicht in Kuhgalle, und so wird jener Teil, der in diese Galle eingetaucht wurde und den der auf seinen Nagel gelegt hat, innerlich ausgetrocknet und er tauch ihn wieder in diese Salbe ein und dieser Nagel wächst dort schön.

Der Pilz, der an der Espe wächst, ist warm und schlammig und taugt nicht für die Menschen und es wird kein Heilmittel in ihm gefunden.“

Zu späteren Zeiten fanden Pilze und deren Heilwirkung auch Eingang in die Kräuterbücher. Bekannte Vertreter der Kräuterbücher wurden von Hieronymus Bock, Peter Melius und Adamus Lonicerus geschrieben.

Warum hört man bei uns so wenig über Pilze, Vitalpilze und Heilpilze? Ein Grund dürfte sein, dass die Pharmaindustrie derzeit nicht in der Lage ist, mit dem Wissen um die Pilze und deren Inhaltsstoffe, kräftig Kasse zu machen. Sie haben ihren Platz fast nur in der alternativen Therapie oder werden von Heilpraktikern empfohlen.

Das Heilen mit Pilzen fasst man heute gern unter dem Begriff Mykotherapie zusammen, ihr Ursprung liegt dabei in Asien, vermutlich in der chinesischen Volksmedizin und der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

Es gibt einige Forschungen zu den Inhaltsstoffen und Wirkungen. In Japan und den USA gibt es mittlerweile auch einige kommerzielle zugelassene Medikamente besonders zur Behandlung von Krebs.

 

Welche Eigenschaften haben Heilpilze?

Inhaltsstoffe vieler medizinisch verwendeten Pilze sind Polysaccharide, z.B. beta-D-Glucane, Triterpene, Polypheonole, Mineralstoffe und Vitamine

Die meisten Pilze wirken auf Grund ihrer Inhaltsstoffe entgiftend. Ihre Wirkung tritt meist langfristig, nach einem Zeitraum von 1-3 Monaten ein, weshalb sie regelmäßig verwendet werden müssen. Sie wirken meist regulierend auf das Stoffwechselsystem von Galle und Leber ein, beeinflussen den Fettstoffwechsel, den Kohlenhydratstoffwechsel (und wirken damit antidiabetisch und blutzuckersenkend) antikarzinogen und immunsystemregulierend.

 

Nachfolgend einige kurze Informationen zu verschiedenen Pilzen.

 

Zuchchampignon (Agarucus bisporus)

Der allseits bekannte Zuchtchampignon wirkt entgiftend und präventiv gegen Darmkrebs, steigert die Aktivität natürlicher Killerzellen (NK-Zellen) und unterdrückt die Aromatase, womit hormonabhängiger Brustkrebs (Mamma-Carcinom) gehemmt wird. Er wirkt auch präventiv bei hormonsensiblen und hormonresistenten Karzinomen.

 

Judasohr (Auricularia auricula-judea)

Bei Adamus Lonicerus findet man z.B. folgende Aussage zum Judasohr (Auricularia auricula-judea):
,,Hollunder Schwämme löschen und trucken nieder allerley Hiz und Geschwulst, zuvor in Rosenwasser oder Wein gewicht und übergelegt.“

Heute weiß man, dass der Pilz entzündungshemmend wirkt und den Cholesterinspiegel senkt. In der chinesischen Medizin wird er unter dem Namen Mu-Err zur Behandlung von Kreislaufproblemen verwendet, er erhöht die Fließfähigkeit des Blutes und hilft bei Arteriosklerose. In China ist Mu-Err einer der wichtigsten Pilze, die als Nahrung und Medizin verwendet werden. Seine Hauptwirkungen hat er auf die Blutgefäße, er wirkt vasodillatorisch, antithrombotisch, da er die Blutgerinnung sacht hemmt, senkt den LDL-Cholesterinspiegel und den Triglyderidspiegel im Blut, hilft bei Schleimhautproblemen, wirkt antioxidativ, hemmt das Wachstum von Sarmomen und Hauttumoren, hilft bei Hämorrhoiden, wirkt präventiv auf Fettstoffwechselstörungen und Arteriosklerose.

Innerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kinderwunsch sollte man jedoch auf die Nutzung diese Pilzes verzichten. Er kann zu Fehlbildungen der Embryos führen.

 

Schopftintling (Coprinus comatus)

Der Schopftintling ist auch in Mitteleuropa häufig anzutreffen. Seine Hautwirkungen hat er auf den Stoffwechsel, er wirkt auch antidiabetisch. Seine antidiabetische Wirkung verdankt er dem Inhaltsstoff Vanadium, das insulinbildende Zellen schützen und revitalisieren kann. Er ist in der Lage, nach 90 Minuten den Blutzuckerspiegel um bis zu 40% zu senken, dieser Effekt beträgt auch nach 180 Minuten noch 20%.

Riesenbovist (Langermannia gigantea)

Lonicerus schreibt über den Riesenbovist (Langermannia gigantea): ,,über alle erzaehlte geschlechte findet man ganz runde weisslche Schwämme, wie ein weisser Lederball, werden offt in Kopffs Grösse, und wann sie bürz werden, so reissen sie auf, und lassen einen gelben Staub von sich, wachsen auf graßechtem Feld. Die nennt man Bubenfist, auf lateinisch Quatis, die Franzosen nennen ihn Crepitum lupi, das ist ein Wolffsfurz. … Der dürre Bubenfist mit seinem Meel und Staub, dienet zu den fliessenden alten Schäden, die werden davon trucken und schichten sich zur Heilung.“

In der chinesischen Medizin wird der Riesenbovist unter dem Namen Da tui ma bo bzw. Ma bo genutzt, er gilt dort auf Grund seines enthaltenen Calvacin als Mittel gegen Blutungen und schlecht heilende Wunden.

Der Pilz wirkt antiviral, mittlerweile gibt es auch Hinweise darauf, dass Inhaltsstoffe des Pilzes auch Wirksamkeiten gegen Krebs haben. Grund dafür sollen der Gehalt an Ergosterol und Calvacin sein, aber auch sonst ist er reich an Mineralstoffen.

Literaturhinweise:

  • Glenn S. Bulmer, Everett S. Beneke – Studies on Calvatia gigantea.
  • Everett S. Beneke – Calvatia, Calvacin and Cander
  • Cochran, K. W. (1978). Medical effects. The biology and cultivation of edible mushrooms, 169-172.
  • Volz, P. A. (1999). Early historic cancer chemotherapy work involving basidiomycetous mushrooms. International Journal of Medicinal Mushrooms, 1(2).

 

Lärchenporling (Laricifomes officinalis)

Auch der Lärchenporling (Laricifomes officinalis) findet sich in alten Kräuterbüchern.

„Der weisse leichte, lüke und mürbe Holzschwamm, Agaricus, wird allein gelobt, und zu der Arznei
erwehlet. Ist einer warmen zusammenziehender Qualitet, treiben – in Leib genommen – alle zähe
Schleim und Feuchtigkeiten auß. Ist den nahe zu allen innerlichen Gliedern, so mit böser Feuchtigkeit
beladen, nüzlich und heilsam, einen jeden nach seiner Stärk, Alter und Vermögen, wenig oder viel
gereicht, in Wein, Honigwasser, oder sonst nach dem der Gebrechen ist, und der Mensch erleiden
kann. Dioscorides gibt gemeiniglich ein Quintlein auf einmal. Paulus Aeginate, zwei Quintlein mit
Claret vermischt. Mesue stöst diesen Schwamm zu Pulver, ertränkt ihn dann in gutem Wein, thut zu
einem jeden Loth ein Quintlein gestossen Ingber, temperirts wol durcheinander und lästs truken
werden.
Pilulen von Agarico, führen im Stulgang die Ursach, von der die faulen Febres aufkommen auß.
Dienen wol dem Haupt, der Leber, Lungen und Milzsüchtigen, den Wasser- und Geelsüchtigen, auch
dem Darmgrimmen und schwerlich harnen. Item den bleichfärbigen Weibern und denen ihre Blum
verstanden ist. Auch allen Podagrischen. Zu allen Würmen, und was der Mensch für Unrath gessen,
oder getrunken hat, darzu ist dieses Gewächs Agaricum nüzlich und gut…“

Auch heute noch wird der Pilz intensiv als Medizin genutzt. In Spirituosen und Bitterlikören wird er als Aromastoff verwendet, historisch fand er in die Rezepturen auch Eingang auf Grund seiner medizinischen Wirksamkeiten. In der TCM (traditionellen chinesischen Medizin) wird er unter dem Namen A li  hong  verwendet. Der Pilz enthält Agaricinsäure, Harte, Triterpene, Fette, Ricinolsäure, Mannitol, Eiweiße u.a. Volksmedizinisch wurde er bei Nachtschweiß, als Mittel bei Magenproblemen und Asthma verwendet.

Weitere Pilze fanden mit ihren Wirkungen Eingang in die Kräuterbücher.

Als Beispiele seien hier genannt:
Anis-Tramete (Trametes suaveolens) – gegen Lungenschwindsucht
Echter Zunderschwamm – Mittel zum Stillen von Blutungen
Hallimasch (Armillaria mellea) – Abrührmittel
Hirschtrüffel (Elaphomyces granulatus) – zur Potenzsteigerung
Schuppige Schwarzfußporling (Polyporus melanopus) – bei Durchfall, wirkt stopfend
Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) – bei Durchfall, wirkt leicht stopfend
Stinkmorchel (Phallus impudicus) – gegen Gicht

Über die letzten Jahrhunderte ging das früher vorhandene Wissen über die Einsatzmöglichkeiten der Pilze in Europa etwas in Vergessenheit, im krassen Gegensatz zur in Asien verwendeten traditionellen Medizin, wo Pilze schon seit Jahrtausenden ein Mittel der Medizin zum Erhalt, aber auch zur Heilung von verschiedensten Kranken sind.

Grundsätzlich finden Forschungen, um die Inhaltsstoffe der Pilze medizinisch zu untersuchen, nur in geringem Umfang statt. Leider wird so ein wahrscheinlich sehr großes Potential verschenkt, um die Gesundheit zu erhalten und bei bedürftigen Kranken für Heilung und eine bessere Lebensqualität zu sorgen.

Welche Inhaltsstoffe finden sich in Pilzen?

Pilze enthalten viele der für den Menschen wichtigen Nährstoffe. Die meisten Pilze sind reich an Eiweißen.  Eiweißstoffe sind wichtig für die Bildung von Aminosäuren. Da die Pilzzellen jedoch oft aus Chitin, einem für den Menschen nicht verdaulichen Stoff bestehen, kann er jedoch nicht alle Eiweißstoffe aufschließen und aufnehmen.  Chitin ist ein Ballaststoff, der vom menschlichen Körper nicht verdaut wird – entsprechend schwankt auch der prozentuale Anteil des Pilzeiweißes, das vom Körper aufgenommen werden kann.

Pilze liefern wenig Energie in Form von Kilokalorien und sind arm an Purinen, deshalb eignen sie sich auch als Lebensmittel während der Diät und bei Stoffwechselstörungen, z.B. Rheuma und Gicht. Im Verhältnis zu Fleisch haben Pfifferlinge nur ca. 1/200stel und Steinpilze nur 1/40stel des Puringehalts. Purin wird im Menschen verstoffwechselt, wobei Harnsäure entsteht, welche sich in Form ihrer Salze, z.B. Natriumurat-Monohydrat kristallin niederschlagen kann, was zu Entzündungen und Gicht führt.

Pilze enthalten Kohlenhydrate – ein großer teil der Kohlenhydrate liegt in Form von Mannit vor, welches nur ca. 50% der Süßkraft von Zucker hat. Der Anteil an Glucose ist sehr gering. Mannit gilt bei Diabetes geeigneter als Zucker, auch deswegen sind Pilze bei Diät und Diabetes geeignet.

PIlze sind ballaststoffreich. Ein Mangel an Ballaststoffen steht im Verdacht, das Risiko an Dickdarmkrebs zu erkranken, zu erhöhen.

Eisen ist wichtig für den Transport von Sauerstoff mit den Blutfarbstoff Hämoglobin, ist aber auch an der weiteren Synthese wichtiger Stoffe im Körper beteiligt. Ein Mangel an Eisen äußert sich in der Blutarmut bzw. Anämie. Pilze sind ein hervorragender Eisenlieferant, der komplette tägliche Bedarf an Eisen lässt sich schon mit einer Pilzmahlzeit decken!

Kalium, das für die Regelung des osmotischen Drucks in den Zellen aber auch für Herz und Kreislauf sowie die Bildung mancher Enzyme wichtig ist, ist in Pilzen in größeren Mengen vorhanden. Pilze enthalten mehr Kalium als Fleisch- und Fischprodukte und sind den meisten Obst- und Gemüsesorten ebenfalls überlegen.

Pilze sind sehr natriumarm. Normalerweise decken wir unseren Natriumbedarf schon über die Aufnahme von Kochsalz. Eine Überversorgung kann zu Bluthochdruck und daraus resultierenden Kreislaufproblemen und Kreislauferkrankungen führen.

Phosphor ist für Erhalt von Zähnen und Knochen wichtig, spielt aber auch im Stoffwechselprozess und bei der Energiegewinnung eine wichtige Rolle. Tierische Produkte sind ein guter Phosphorlieferant, Obst und Gemüse liefern nur einen kleinen Teil Phosphor, Pilze sind diesen als Phosphorlieferant überlegen.

Manche Pilze, wie z.B. Pfifferlinge, enthalten ß-Carotin, welches im Körper zu Vitamin-A umgewandelt wird. Vitamin A ist wichtig für Haut, Schleimhäute, Wachstum und Sehkraft.

Vitamin B1 (Thiamin) ist wichtig für die Energiegewinnung und den Stoffwechsel. Es sichert die Funktion von Muskeln und Nervenzellen. Austernpilze bzw. Austernseitlinge sind reich an Vitamin B1 und können es mit den Vitamin B1-reichsten Gemüsesorten aufnehmen.

Vitamin B2 (Riboflavin) ist ebenfalls ein wichtiges Vitamin für die Verstoffwechslung von Fetten, Eiweißen und Kohlenhydraten. Vitamin B2-Mangel zeigt sich in Schäden an den Schleimhäuten von Augen, Mund, Nase, Zunge und Lippen. Es kann zu Wachstumsverzögerungen kommen. Besonders reich findet man dieses Vitamin z.B. in Austernseitlingen, Champignons und Birkenpilzen.

Vitamin B3 (Niacin) wird teilweise vom menschlichen Körper selbst gebildet, teils wird der Bedarf durch die Nahrung gedeckt. Wichtig ist es für den Stoffwechsel, die Verdauung, die Haut und die Nerven.
Gemüse hat i.d.R. nur einen geringen Gehalt an Niacin, meist wird der Bedarf über Fleisch und Fisch gedeckt. Gerade bei veganer und vegetarischer Ernährung kann es wichtig sein, einen möglichen Vitamin B3 Mangel, der sich in Depressionen, Kopfschmerzen, Schwindel, Verdauungsstörungen und Hauterkrankungen zeigen kann, durch geeignete Nahrung zu decken. Hier können Pilze helfen – eine Pilzmahlzeit, z.B. von Pfifferlingen, kann den Tagesbedarf an Vitamin B3 decken!

Vitamin B5 – Pantothensäure ist ein wichtiges wasserlösliches Vitamin, das über die Nahrung zugeführt wird. Zu einer Unterversorgung kann es auf Grund von Erkrankungen – besonders Darmerkrankungen, Entzündungen und Drogen- oder Alkohohlmißbrauch kommen. Wichtig ist das Vitamin für die Nerven, Muskeln und eine psychische und neurologische Gesundheit. Mangelerscheinungen äußern sich z.B. durch das burnig feet Syndrom, aber auch durch Kribbeln und Taubheit der Zehen, Muskelverspannungen und Nervenreizungen. Pilze können beitragen, den Bedarf an Vitamin B5 zu decken – besonders reich daran sind z.B. Steinpilze, Champignons und Austernseitlinge. Sie übertreffen die meisten Gemüsesorten und Fleisch. Nur Innereien liefern mehr Vitamin B5 – sind jedoch im Verhältnis zu Pilzen, nicht purinarm.

Folsäure wird oft auch als Vitamin B9, Vitamin B11 oder Vitamin M bezeichnet. Folsäure kommt in grünen Blättern vor, der Gehalt wird jedoch durch die Verarbeitung der Lebensmittel schnell vernichtet. Zusammen mit dem Vitamin B12 ist es für die Zellneubildung wichtig, weshalb besonders schwangere Frauen auf ihren Bedarf an Folsäure achten sollten. Besonders reich an Folsäure sind einige Baumpilzarten, u.a. auch der in Deutschland wachsende Austernseitling.

Vitamin C ist zwar in Pilzen enthalten, jedoch nicht in großen Mengen. Die Mengen bewegen sich im Bereich von 1/5 bis 1/10 der Zitrone.

Vitamin D ist eine Gruppe fettlöslicher Vitamine. Teils, wie z.B. Vitamin D3, können sie vom menschlichen Körper gebildet werden. Wichtig sind sie z.B. für die Bildung von Knochen und Knorpel, als Vorbeugung gegen Rachitis u.a. Bei Vitamin D3, das in der Haut gebildet wird, ist jedoch Sonnenschein Voraussetzung. Auch Pilze – im Gegensatz zu Gemüse und Obst – sind ein wichtiger Vitamin D Lieferant, denn sie enthalten mit Ergosterin eine Vorstufe des Vitamin D. Sonst kommen als Vitamin D Lieferant nur tierische Produkte in Betracht. Auch hier zeigt sich die Wichtigkeit, die Pilze in einer vegetarischen oder veganen Ernährung einnehmen könnten.

Auf Grund der in Pilzen enthaltenen Inhaltsstoffe sind sie ein hervorragendes Mittel während der Diät. Aber auch bei einer vegetarischen oder veganen Ernährungsweise können sie für eine gute Versorgung mit Vitaminen und Mineralien sorgen. Auch für eine Gewichtsreduktion, bei Diabetes, Gicht, Rheuma, Stoffwechselkrankheiten, Kreislauferkrankungen und Bluthochdruck können sie eine sinnvolle Nahrungsergänzung sein.

 

Pilze als Nahrung und Medizin in China

In China gehören Pilze seit langer Zeit zur Nahrung, aber auch in der Medizin haben sie schon lange ihren Platz eingenommen und behaupten diesen gegen viele Produkte der modernen Pharmazie.

Der chinesische Arzt Wu Rui (auch als Gorin bzw. Wu Shui bekannt) beschrieb zu Zeiten der Ming-Dynastie im 14. Jhdt. den Shii-take (Lentinus edotes), einen holzbewohnenden Pilz als wahres Lebenselixier, der die Lebensenergie erhöht, gut gegen Erkältung ist und den Blutfluss fördert. Er fördere die Ausdauer, Kraft und Energie,  helfe bei Herzbeschwerden und bösartigen Geschwüren. Auch als Mittel bei Vergiftungen durch Pilze und Schlangen empfahl er ihn als Gegenmittel, gegen innere Würmer und Parasiten wäre er ein gutes Mittel.

Zur gleichen Zeit waren Zubereitungen des Judasohr (Auricularia polytricha) schon seit langer Zeit in Gebrauch. Empfohlen wurden sie als Stärkungsmittel nach der Geburt, Durchblutungsstörungen und zur Stärkung der Blutgefäße, Gefühlslosigkeit u.a.

Seit mindestens 400 Jahren wird das Silberohr (Tremella fuciformis) verwendet. Es wurde damals bei Erkältungen, Bluthochdruck aber auch Tuberkulose empfohlen. Als Nahrung wurde er auf Grund seines Geschmacks in Suppen, Getränken und Desserts verwendet. Man stellte auch fest, dass er leberschützende und antidiabetische Wirkungen hat.

Wissenschaftliche Forschungen in Asien, besonders in China, Korea, Taiwan und Japan haben eine riesige  Liste von Inhaltsstoffen der Pilze zu Tage gefördert. Viele dieser Inhaltsstoffe haben sehr beeindruckende Wirkungen auf den menschlichen Organismus und die Gesundheit, die meisten historischen Verwendungen der Pilze in der traditionellen chinesischen Medizin wurden eindrucksvoll bestätigt.

Pilze als Nahrung und Medizin in Indien

Auch in Indien werden viele Pilze als Nahrung genutzt, aber auch die Verwendung als Heilpilz bzw. die Nutzung gegen Krankheiten ist seit langer Zeit üblich.

 

Ein kurzer Überblick verwendeter Pilze:

 

Fomes officinalis – Lärchenporling

In Indien wird der Pilz als Abführmittel verwendet. Er wird auch bei Nachtschweiß und Lungentuberkulose sowie bei Asthma genutzt.

Wirksamer Inhaltsstoff ist Agaricin mit ca. 15% im Extrakt.

 

Agaricus campestris – Wiesen-Champignon

In der Ayurveda wird der Pilz mit den Bezeichnungen Chhatraka bzw. Bhuumichhatra verwendet. Er enthält ca. 2,74% Protein und ist eine hervorragende Quelle von Vitaminen des Vitamin B-Komplex, aber auch Vitamin C, Vitamin D und Vitamin K sind enthalten. Weitere Inhaltsstoffe sind Aminosäuren.

Extrakte des Pilzes enthalten Tyrosinase, die den Blutdruck senken können. Bei Beschwerden des Darmtrakts und bei Magenleiden können wirken die Pilzenzyme mildernd und heilden.

Inhaltsstoffe des Pilzes sind weiter: Amylase, Maltase, Glycogenase, Protease, Catalase, Tyrosinase, Phosphomonoesterase, Polyphosphatase, Polyphenoloxidase und Dehydropeptidase.

 

Pleurotus ostreatus – Austern-Seitling

Der Pilz wird bei zu starkem Speichelfluss verwendet. Man nimmt ihn auch bei Durchfall, Ruhr, entzündlichen Erkrankungen der Mundschleimhaut, Stomatitis und Apthen ein.

 

Weiterführende Informationen zu ausgewählten in China verwendeten Pilzen:

 

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