Was hat es mit den Krebszellinien auf sich?

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Krebszelllinien

In Studien und der Literatur stolpert man oft über diesen Begriff. Was hat es nun eigentlich mit den Krebszelllinien auf sich? Was verbirgt sich hinter den kryptischen Begriffen und Kennzeichen der Krebszelllinien=

 

Krebszelllinien dienen in der Forschung Infektionstests und Wirksamkeitstests von Medikamenten und Therapien gegen den Krebs.

Sie stellen im Prinzip dauernd unter Laborbedingungen nachgezüchtete Krebszellen von Patienten dar. Angefangen hat dies mit Zellen des Cervix Adenocarcinoms (Gebärmutterhalskrebs) von Henriette Lacks am 5.02.1951. Die ihr im Rahmen einer Krebsuntersuchung entnommenen Gewebeproben ihres Krebs wurden im Labor weitergezüchtet – und waren damit der Ursprung der immer noch erhältlichen und verwendeten menschlichen Krebszelllinie HeLa (He für Henriette, La für Lacks). Die HeLa Zelllinie stellte die Basis der Forschung an labormäßig gezüchteten lebenden menschlichen Zellen dar – über die HeLa Zellen wurde z.B. auch Grundlagenforschung für die Impfung gegen Kinderlähmung, für genetische Erkrankungen und zur Zellklonung betrieben. Henriette Lacks erlangte damit einen immer noch anhaltenden unsterblichen wissenschaftlichen Ruhm – genutzt hat es ihr persönlich nichts, denn sie erlag am 4.10.1951 dem Krebs, ist aber über ihre immer wieder labortechnisch nachgezüchteten Krebszellen unsterblich. Die Menge der aus dem entnommenen Gewebestück nachgezüchteten Zellen übersteigt ein Gewicht von 50 Millionen Tonnen!

 

Problem: Krebszelllinien

Seit Jahren, manchmal seit Jahrzehnten werden die Krebszelllinien nachgezüchtet. Erhältlich sind sie für Forscher wie im Warenhaus – sie werden von Laboren nachgezüchtet, verteilt und auch verkauft.

Jeder Forscher verlässt sich darauf, das zu bekommen, was er bestellt hat. Dies ist aber nicht oft so – oft ist es über die Jahre zu Verunreinigungen, Infektionen und Verwechslungen gekommen – es steht nicht immer das auf dem Etikett,  was Forscher und Labore dann erhalten!

Dieses Problem ist kein kleines Problem. 1999 wurde untersucht, was die Labore erhielten. In fast jedem fünfter Probe war nicht das enthalten, was auf dem Etikett stand.

1980 arbeitete der Krebsforscher Reinhard Kofler in Innsbruck unwissentlich mit Mauszellen, obwohl er menschliche Krebszellen bestellt hatte.

Walter Nelson Rees, Zellbiologe an der University of California, Berkeley, entdeckte weltweit 279 falsche Zelllinien in 45 verschiedenen Laboren. Viele der Zelllinien waren mit Zellen anderer Spezies verunreinigt, mehr als 40 Zelllinien waren unbemerkt mit HeLa- Zellen überwuchert.

Oft kommt es dazu, dass Zellkulturen falsch beschriftet wurden, Zelllinien waren verunreinigt, aber 17 Jahre forschten weltweit tausende Wissenschaftler mit Zellkulturen von Blutgefäßen, die eigentlich Blasenkrebs-Zellen waren.

Die Dunkelziffer, in denen mit falschen, verfälschten, vertauschten, überwucherten Zellen geforscht wird, ist immer noch hoch. Was dies für das Lebenswerk mancher Forscher und die resultierenden Ergebnisse bedeutet, kann sich jeder selbst vorstellen…

 

Kleine Zusammenstellung wichtiger Krebszelllinien

  • HeLa – Gebärmutterhalskrebs
  • A2058 – Melanom
  • A375 – Hautkrebs
  • A431 – Hautkrebs
  • A-549 – menschlicher Lungentumor
  • BCC – Hautkrebs
  • Colon205 – Darmkrebs
  • DU145 – Prostatakrebs
  • Hep3B – Hepazelluläres Karzinom
  • HNSCC4 – Kopfkrebs
  • HNSCC31 – Halskrebs
  • KB-V1 – multiresistender Klon von KB-3-1, welches ein Derivat der HeLa Krebszelllinie ist. Die Zelllinie ist mit dem Papillomavirus Typ 18 (HPV-18) infiziert.
  • K-562 – Brustkrebs
  • Meth A – Fibrosarcom
  • MDA-MB231 – Brustkrebs
  • MCF-7 – menschlicher Brustkrebs
  • Sarcoma-180 – Aszites
  • SCC25 – Hautkrebs
  • SLMT-1 – ösophageales Plattenepithelkarzinom
  • P-388 – lymphozytische Leukämie
  • PACA-2 – Pankreaskarzinom
  • PANC-1 Pankreas-Krebs
  • PC-3 – Prostata-Adenokarzinom
  • 9KB – Menschliches Nasopharynxkarzinom
  • 9PS – murine Leukämie
  • BEL-7402 – menschliches Leberzellkarzinom

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